Das System der Welt

In der letzten Ausgabe von Idea gab es einen sehr optimistischen Bericht über die deutsche christliche Musikszene, die Grundaussagen waren ungefähr folgende: Die christliche Musikszene bekommt endlich die Anerkennung und Achtung von der sakulären Szene, dei christlichen Interpreten werden von sakulären Firmen bezahlt und bekommen endlich die verdiente Wertschätzung. Christliche Musiker werden immer berühmter und werden auch ausserhalb der christlichen Szene immer mehr wahrgenommen. Ausserdem ist das Qualitätslevel der christlichen Interpreten auf dem sakulären Level angekommen.

Diese Statements der Musikszene spiegeln in gewisser Weise die gesamte Christenheit wieder. Man kann aus ihnen die Sehnsucht nach Anerkennung herausspüren. Unser gesamtes Christentum sucht Anerkennung – und das schlimme ist, sie bekommt diese Anerkennung auch, aber nicht von Gott, sondern von der Welt. Das schlimme ist nicht nur, dass sie überhaupt Anerkennung suchen, das noch größere Übel ist, dass wir als Christenheit die Akzeptanz und Anerkennung der Welt suchen. Das zeigt sich schon in unseren Sonntagsmorgenveranstaltungen. Wir sind sehr bemüht, von Aussenstehenden nicht in gewisse Kategorien eingeteilt zu werden, wir wollen dass unsere Gottesdienste vernünftig, ansprechend, nüchtern und ordentlich ablaufen – das ist ja auch nicht wirklich zu verurteilen, aber das Problem dabei ist unsere Motivation. Wir wollen unsere Sonntagsmorgenveranstaltungen deswegen so normal wie möglich haben, weil wir sonst von Besuchern in gewisse Schubladen gesteckt werden, z. B. in die Schublade der Fundamentalisten, die Schublade der Fanatiker, oder in die Schublade der Charismatiker – wir wollen anerkannt werden, und zwar von der Welt. Wir wollen ein klinisch sauberes Christentum, das schön geordnet und kontrolliert nach gewissen theologisch korrekten Regeln abläuft. Wir erzählen bei jeder zweiten Predigt, wie wichtig es doch ist, keinem zum Anstoß zu sein. Aber wir haben es nicht verstanden, dass dieser Vers sich auf die Brüder bezieht. Da steht nirgendwo in der Bibel, dass wir für die Welt kein Anstoß sein sollen, im Gegenteil, wir sehen bei Jesus, bei Paulus und bei fast allen anderen, dass die Welt sich sehr wohl an ihnen stößt. Denn das Fleisch ist wider den Geist und die beiden vertragen sich nicht und werden es auch nie. Wenn wir für die Welt kein Anstoß sind, dann liegt es meistens daran, dass wir genauso fleischlich leben, wie die Welt es ist.

Satan wird der Fürst dieser Welt genannt, und daher ist auch diese Welt von Natur aus satanisch. Wenn sich in dir jetzt der Widerstand regt und du diese Aussage für zu krass hältst, dann erinnere dich doch an die Anfänge unserer Zivilisation:

  • Und Kain erkannte sein Weib, und sie ward schwanger und gebar Hanoch. Und er baute eine Stadt und benannte die Stadt nach dem Namen seines Sohnes Hanoch. Gen 4:17 
  • Und der Name seines Bruders war Jubal; dieser war der Vater aller derer, welche mit der Laute und der Flöte umgehen. Und Zilla, auch sie gebar Tubalkain, einen Hämmerer von allerlei Schneidewerkzeug aus Erz und Eisen. Und die Schwester Tubalkains war Naama. Gen 4:21-22

Es waren die Nachkommen von Kain, die die Grundlage für die heutige Zivilisation legten. Du denkst, dass es doch gut war, dass die Musik erfunden wurde, dass die Schmiedekunst und das Städtebauen erfunden wurde – aber wir sehen, dass wenige Verse später Gott über diese Kainitische Zivilisation sein Urteil abgibt, und dieser Urteil widerspricht völlig dem deinigen:

  • Und Jahwe sah, daß des Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. Und es reute Jahwe, daß er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es schmerzte ihn in sein Herz hinein.Und Jahwe sprach: Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens vertilgen, vom Menschen bis zum Vieh, bis zum Gewürm und bis zum Gevögel des Himmels; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe. Gen 6:5-7

Hier sehen wir wieder, dass Gott anders ist als wir, dass er anders denkt, und sein Urteil über diese Zivilisation war: Sie ist Böse. Die Schmiedekunst wurde wenige Zeit später dafür benutzt, um Waffen herzustellen, mit denen die Menschen sich gegenseitig vesrtümmelten. Das hatte bei der Erfindung der Schmiedekunst keiner im Sinn gehabt. Genauso wie bei der Erfindung der Atomtheorie keiner eine Atombombe im Sinn gehabt hat. Keiner? Zumindest keiner von den Menschen, aber mindestens einer hat doch an die Atombombe gedacht, und dass war der Fürst dieser Welt. Er hatte von Anfang an an die Atombombe gedacht, als die Kernphysiker ihre ersten Theorien aufstellten, da dachte Satan schon an die Atombombe. Er dachte schon bei Kains Nachkommen an die Atombombe, und an schlimmeres. Wir müssen uns dem Gedanken stellen, dass Satan der Fürst dieser Welt ist und dass diese Welt von Satan und seinen Mächten und Gewalten in der Himmelswelt beeinflusst wird. Wenn uns dass nicht bewusst ist, dann finden wir auch nichts besonderes daran, wenn ein Nachfahre Kains eine weitere Errungenschaft der Zivilisation entdeckt.

Satan hat seid dem Sündenfall nur ein Ziel: Er will die Herrschaft über die ganze Welt. Und zu diesem Zweck baut er ein Weltsystem auf, zu schleichend und zu langsam für uns Menschen, die wir nur eine Generation lang leben und meinen es uns leisten zu können, die dämonischen Mächte und Gewalten unser ganzes Christenleben lang zu ignorieren. Das würde unser klinisch sauberes Sonntagsmorgenveranstaltungschristentum in Aufruhr bringen. Allein schon der Ewigkeitsgedanke, allein schon dass Denken über unsere Generation hinaus würde unser normales Leben sprengen. Wir glauben dass es immer so weitergeht. Satan baut schon seit Generationen an seinem Weltsystem und wir müssen endlich erkennen, dass er es irgendwann fertig gebaut haben wird. Und dann wird er dieses System einem Menschen geben, durch den er die ganze Welt beherrschen wird. Aber noch baut er an diesem System, noch ist dieses System nicht fertig. Die Gemeinde muss endlich zu der Erkenntnis kommen, dass es eben nicht ewig so weiter geht. Wir machen unsere Missionsprogramme – und wenn nicht wir, dann die Missionswerke – wir machen unsere Sonntagsmorgenveranstaltungen, unsere Konferenzen, als ob es ewig so weitergehen würde. Aber das wird es nicht. Am Ende wird es zum Finale kommen.

Die Ironie dabei ist, dass gerade wir Deutschen dies eigentlich schon längst erkannt haben müssten, haben wir es doch am eigenen Leib erlebt, was es heisst, wenn ein ganzes Land nicht nur von Dämonen beeinflusst, sondern in Besitz genommen wird. Im dritten Reich ist es den Mächten und Gewalten zum erstenmal gelungen, die Kontrolle über einen ganzen Staatsapparat zu bekommen. Und was ist das Resultat gewesen? Sechs Millionen Tote allein aus Gottes auserwähltem Volk. Menschen, die verbrannt, vergast, gefoltert und systematisch vernichtet wurden. Der Himmel schwarz vom Rauch verbrannter Menschen. Krieg in ganz Europa. Glauben wir tatsächlich, dass das die kranken Ideen von ein paar bekloppten Menschen gewesen waren? Wenn wir das glauben, dann sind wir selber genauso krank. Das waren die dämonische Mächte und Gewalten,die die lang ersehnte Kontrolle über einen Staatsapparat bekommen haben. Das war Dämonie pur.

Und damit geben diese Mächte und Gewalten nicht zufrieden – sie warten immer noch in der Himmelswelt auf ihre nächste Gelegenheit. Reparationszahlungen und Wiedergutmachungen werden diese satanischen Mächte nicht zurückhalten. Von unseren Missionsprogrammen und unseren Sonntagsmorgenveranstaltungen sind sie auch nicht so sehr beeindruckt. Sie warten auf die nächste Gelegenheit – und sie werden sich nicht mit einem Staat zufrieden geben. Wir haben gesehen, was passiert, wenn diese Mächte die Kontrolle über einen Staat bekommen. Können wir es uns auch nur im Entferntesten vorstellen, was geschieht, wenn diese Mächte und Gewalten die Kontrolle über die ganze Welt bekommen? Über alle Staaten?

Allein schon die Tatsache, dass die deutsche Gemeinde diese Mächte nach so einer Lektion ignoriert, ist eine Sünde für die es kaum ein Pardon gibt. Wir glauben nicht einmal das, was wir gesehen haben. Gott erbarme sich über unsere Ignoranz. Als in der deutschen Kirche einige wenige wie Dietrich Bonhoeffer oder Karl Barth zu dieser Erkenntnis gelangten, da war es schon zu spät. Die Gemeinde hat es verschlafen. Wird die Gemeinde in Deutschland die nächste Gelegenheit auch verschlafen? Wachet und betet – gilt das nicht um so mehr, je näher wir dem Ende kommen? Wann war dieses Wort dringender als heute?

Anstatt dass wir diesen Einfluß erkennen, suchen wir die Anerkennung von diesem System, wir versuchen ordentliche Christen zu sein, die keinen Anstoß bieten. Erkennen wir denn nicht, dass die Gesellschaft, die damals Jesus gekreuzigt hat, moralisch viel höherwertig war als die heutige? Damals wurde Ehebruch nicht öffentlich geduldet, wer beim Ehebruch erwischt wurde, der wurde gesteinigt. Und eine moralisch sehr hohe Gesellschaft – die Juden waren in der Tat die höchste moralische Kultur zu der damaligen Zeit – diese moralisch gute und hochwertige Zivilisation hat Jesus an das Kreuz gebracht. Fragen wir uns nicht, warum wir heute, wo wir in einer Zeit des ständigen Hinterfragens aller moralischen Werte stehen, wo jede Tugend und Moral eingerissen wird, wo Ehebruch gesellschaftlich toleriert wird, wo noch abscheulichere Dinge toleriert werden, so eine Akzeptanz bekommen? Wieso kommt unsere widerwärtige Kultur mit dem Jesus klar, den wir ihnen demonstrieren? Warum erleben wir nicht diesen Widerstand, den Jesus damals erlebte? Hat Jesus sich verändert? Oder haben wir uns verändert? ALLE, die fromm und gottselig leben wollen in Christus Jesus, MÜSSEN Verfolgung leiden (2. Tim 3:12). Diese zwei Wörter, ALLE und MÜSSEN sollten wir uns zu Herzen nehmen. Unter dem ersten Wort sind alle Christen miteinbezogen – alle Christen, die ihren Glauben auch leben. Das zweite Wort lässt mir keine Wahl – ich MUSS verfolgt werden, das heisst, es geht kein Weg daran vorbei. Verfolgung ist also eine Notwendigkeit. Wenn ich also keine Verfolung erleide, dann steht es mir vielleicht noch bevor, aber wahrscheinlich liegt es eher daran, dass ich eben nicht fromm und gottselig in Christus Jesus lebe. Wir leben fromm und gottselig nach unseren eigenen Kategorien, aber nicht in Christus Jesus – und nur eine Frömmigkeit, die in Christus ist, hat einen Wert. Selbst in den wenigen Gemeinden, in denen Gemeindezucht geübt wird, wird die Frömmigkeit der Mitglieder meistens daran bewertet, ob sie regelmäßig die Veranstaltungen besuchen. Man kann sich jeden Abend Pornos reinziehen, man kann sich einen runterholen und die perversesten Phantasien haben, aber das führt nicht zu einem Ausschluss. Man kann einen schlechten Charakter haben, aber das führt auch nicht zu einem Ausschluss. Warum führt also der mangelnde Gottesdienstbesuch dazu? Weil es ein äußeres Zeichen ist, und wir nicht die geistliche Erkenntnis haben, um das innere Leben der Gläubigen zu durchschauen. Wir können nur die äußeren Dinge erkennen, weil wir durch unsere Ignoranz geistlich blind geworden sind. Wir tolerieren die Christen mit schlechtem Charakter weil wir sonst uns selber und unsere halbe Gemeinde ausschließen müssten – wo doch Gottes Wort sagt, dass diese nicht das Himmelsreich erben werden. Und wir tolerieren es, wenn Christen vorne fromm auf der Kanzel stehen und zu Hause vor ihrem Computer perversen Phantasien nachgehen – weil wir erstens nicht die innere Erkenntnis haben, denn wir ignorieren die unsichtbare geistliche Welt, und weil wir zweitens ihnen auch nicht wirklich helfen können. Wir wundern uns, warum immer mehr Jugendliche sich besaufen, wir wundern uns, warum immer mehr Zigarettenabhängig werden, aber wir trauen uns auch nicht, diese Dinge anzusprechen, weil wir ihnen keine wirkliche Hilfe bieten können.

Ist das nicht lächerlich? Das ist eigene, selbsterwählte Frömmigkeit in uns, unseren Kategorien entsprechend, aber nicht in Christus. Weil wir die Mächte und Gewalten in der Luft ignorieren, weil wir ihren Einfluss nicht bemerken, deswegen können wir in unserer eigenen Frömmigkeit mit unserem christlichen Programm fortfahren. Wenn wir erkennen würden, mit wem wir es zu tun haben, wenn wir nur einmal die Lektionen und Schrecken der Vergangenheit uns zu Herzen nehmen würden, dann wäre uns augenblicklich klar, dass wir gegen diese Mächte und Gewalten nicht mit unserer eigenen Frömmigkeit angehen können. Wir brauchen geistliche, übernatürliche Hilfe, wir brauchen einen Beistand von oben, der uns im Kampf gegen diese Mächte leitet. Sie lachen über unsere Frömmigkeit, sie lachen über alles was nicht in Christus ist. Jesus kenne ich wohl, und von Paulus weiss ich auch, ABER WER SEID IHR? (Apg 19:15).

Es reicht nicht aus, dass wir uns Gott etwas mehr hingeben, was wir brauchen ist eine komplett neue Weltanschauung . Wir müssen erkennen, dass wir als Gemeinde Jesu in einem ewigen Konflikt stehen, wir müssen erkennen, mit wem wir es zu tun haben, unter welchem Einfluss das gesamte Weltsystem steht, was die Konsequenzen und Folgen sind und dass wir in diesem satanischen System sind, aber nicht von diesem System. Wir müssen erkennen, dass es eben nicht ewig so weitergeht, vielleicht noch 20, 30, höchstens 40 Jahre, und dann wird das Ende kommen. Irgendwann wird dieses System bereit sein, um den Menschen der Gesetzlosigkeit, den Antichristen, zu empfangen. Wir Deutschen sollten uns dann von allen Menschen am wenigsten über das wundern, was dann passieren wird. Dieses kainitische System, dass mit der Schmiedekunst und dem Städtebauen begann, wird so perfekt ausgebaut werden, dass daß niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens (Offb 13:17).

Wir Christen sind so dämlich, dass wir versuchen, mit diesem System zu konkurrieren, wir versuchen genauso gute Musik zu produzieren, wir versuchen, perfekte Gottesdienstabläufe mit perfekter Musik, perfektem Theater und perfekten Predigten herzustellen. Und wir erkennen gar nicht, dass wir genauso im System verstrickt sind. Wir versuchen mit den Mitteln, die dieses System groß machen und nähren, dagegen anzugehen. Wir sind selber ein Teil dieses Systems geworden mit unserem Gottesdienstprogramm. Wie lächerlich! Wir wollen unsere Gottesdienste attraktiv gestalten, damit mehr Leute kommen – wie lächerlich, die Dämonen lachen sich kaputt über uns. Den Dämonen ist es egal, ob die Leute ins Kino oder in die Gemeinde gehen, solange die Gemeinde die Mächte und Gewalten nicht ernstnimmt. Wir reden vielleicht über diese Mächte, aber wir nehmen sie nicht ernst, dass zeigt allein schon die Tatsache, dass wir unser Christenleben so gestalten, als ob es immer so weitergehen würde, als ob das Ende nie kommen würde. Solange wir diese Ignoranz an den Tag legen und nicht darüber Buße tun, solange werden wir selber ein Spielball von diesen Mächten und Gewalten und unsere eigene Kinder werden von diesem System verschluckt, während wir uns wundern, warum alles immer schlimmer wird und früher alles besser war.