Gott der Geber

Unter allen Gleichnissen zeichnet meiner Ansicht nach dasjenige vom verlorenen Sohn das beste Bild eines Gott wohlgefälligen Wandels. Der Vater sagt dort:

Wir mussten doch fröhlich sein und uns freuen (Luk. 15,23)

In diesen Worten offenbart jesus, was seines Vaters Herz auf dem Gebiet der Erlösung am meisten freut. Es ist nicht der ÄLTERE BRUDER, der sich unablässig für den Vater abmüht, sondern der JÜNGERE BRUDER, der den Vater alles für sich tun lässt. Es ist nicht der immer geben wollende ältere Sohn, es ist der immer zu empfangen bereite jüngere Bruder. Als dieser, nachdem er all sein Gut in einem ausschweifenden Leben verprasst hatte, heimkehrte, hat der Vater weder Worte des Tadels ob der Verschwendung, noch wollte er wissen, wo sein Gut hingekommen war. Er trauerte dem verlorenen Gut nicht nach; er freute sich über die Gelegenheit, die ihm die Rückkehr des Sohnes bot, nun noch mehr für ihn zu tun können.

Gott ist so reich; seine grösste Freude ist zu geben. Seine Schatzkammern sind so voll, dass es ihn schmerzt, wenn wir ihm keine Gelegenheit geben, uns mit diesen Schätzen zu überhäufen. Der Vater freute sich, im verlorenen Sohn einen gefunden zu haben, der bereit war, mit einem Kleid, einem Ring, mit Schuhen und mit einem Fest beschenkt zu werden. Es betrübte ihn hingegen, dass ihm der ältere Sohn keine Gelegenheit dazu gab. So erfüllt es Gottes Herz auch mit Trauer, wenn wir glauben, ihm etwas bringen zu müssen, ihm der doch so unendlich reich ist.

Es ist ihm eine wahre Freude, wenn wir uns von ihm beschenken, beschenken und nochmals beschenken lassen. Ebenso betrübt es ihn, wenn wir etwas für ihn tun wollen, Er, der doch unendlich viel mehr zu tun vermag. Er möchte das wir immer offen und bereit sind, was er für uns tun will. Es ist sein Wunsch, immer zu geben und zu wirken. Dass wir doch erkennen, wie reich und wie groß Gott ist! Wir würden dann aufhören, ihn zu beschenken und etwas für ihn tun zu wollen.

Glaubt ihr etwa, dass euer gutes Benehmen aufhört, wenn ihr Gott nich mehr zu gefallen suchtet?

Oder denkt ihr, dass ein schlechteres Resultat herauskäme, wenn ihr alles Geben und tun für Gott aufgeben würdet, als wenn ihr es tut?

Sobald wir etwas von uns aus tun wollen, befinden wir uns wieder unter dem Gesetz!!!

Die Werke des Gesetzes aber, und dazu gehören auch unsere Bemühungen, sind tote Werke. Gott verabscheut sie, denn sie tragen keine Früchte. Im Gleichnis waren beide Söhne fern der Freude des Vaterhauses. Wohl war der Ältere nicht in einem fernen Land; dennoch war er nur theoretisch zu Hause: " So viele Jahre diene ich dir...doch mir" - Sein Herz war nicht zur Ruhe gekommen. So wie der verlorene Sohn sich freute konnte er sich in seiner theoretischen Stellung nie freuen, da er sich immer noch an seine guten Werke klammerte.

Hört doch auf, mit eurem "Geben", dann werdet ihr bald erfahren, wie Gott gibt!!! Lasst doch euer "Schaffen", so werdet ihr gewahr, wie Gott wirkt! Der jüngere Sohn hatte verkehrt gehandelt, aber er kehrte Heim und fand Ruhe - und hier beginnt das Christenleben.

"Gott aber, der reich an Barmherzigkeit ist, hat uns um seiner großen Liebe willen...in Christus Jesus...mit Ihm in die Himmelswelt versetzt" - Eph 2,4 + 6

"Ihr seid gesegnet mit allem geistlichen Segen in Christus Jesus" - Eph 1,3

"OHNE MICH KÖNNT IHR NIX TUN" - Jesus

"Wir MUSSTEN doch fröhlich sein und uns freuen" (Luk. 15,23)

Dies ist eine Abschrift aus dem Buch "Sitze, Wandle, Stehe" von Watchman Nee