Hinweise zum Epheserbrief Kap 1
DIE STELLUNG DES GLÄUBIGEN
Stellung und Zustand
Unsere Stellung haben wir IN CHRISTUS; das bedeutet, ab dem Zeitpunkt, ab dem wir wiedergeboren sind. Die Stellung haben wir vor Gott, das ist die Sichtweise, aus der Gott uns betrachtet. Die Stellung ist von Christus abhängig, es die Art und Weise, wie Gott uns sieht. Gott sieht immer auf unsere Stellung. Die Stellung ist eine geistliche Tatsache. Ob ich daran glaube oder nicht, das ändert nichts daran.
Der Zustand ist unsere gegenwärtige Situation, unser gegenwärtiger Stand. Unsere Stellung ist der Stand, den wir bereits vor Gott haben. Unser Zustand ist unsere subjektive Erfahrung, was wir in unserem Leben mit unserem Verstand und Gefühl wahrnehmen. Der Zustand ist das, was wir oft als „Realität“ bezeichnen. Unser Zustand hängt vom Glauben ab. Wie unser Zustand aussieht, dass entscheidet unser konkreter Glaube in der jeweiligen Situation.
Die Stellung haben wir, wenn wir Jesus haben, also wenn wir wiedergeboren sind. Und wenn wir diese Stellung erkannt haben, können wir sie im Glauben annehmen – dh. wir glauben, dass wir diese Stellung tatsächlich haben, entgegen der vielleicht entgegengesetzten Realität, die uns sagt, dass wir gerade das nicht haben – wir glauben nach Hebr. 11,1 das, was wir nicht sehen (unsere Stellung) und halten daran ohne Zweifel fest. Kommt die Versuchung, so wehren wir diese ab, durch Kenntnis unserer Stellung: wir sagen zB: Feind, egal was du mir sagst, dass ich bin, und egal was mir die Realität vorspielt, ich bin mit Christus gestorben und von der Sünde frei geworden. Danke Jesus, dass du mich durch deinen Tod von der Herrschaft des Fleisches befreit hast und ich diese Sünde, mit der ich jetzt versucht werde, nicht tun muss.
Im ersten Abschnitt des Epheserbriefes erfahren wir viel über die Stellung des Gläubigen. Wir lesen, dass
- wir geliebte Kinder sind
- wir von Gott erwählt sind
- uns vergeben ist
- wir nicht nur ständige Vergebung haben, sondern sogar Befreiung (Erlösung) von Sünde
- wir Erben der göttlichen Verheissungen sind – Wir sind imstande und qualifiziert, die Dinge zu bekommen, die Gott uns versprochen hat
- wir versiegelt mit dem Heiligen Geist sind
und noch viele weitere Dinge. Diese Dinge nehmen wir nicht wahr, wir fühlen sie nicht. Wenn wir auf unseren Zustand schauen, dann denken wir: Ich merke nichts davon, dass ich geliebt bin. Ich merke nichts von den Verheissungen Gottes, usw. Aber hier steht, dass wir dieses alles haben – ob wir es fühlen oder nicht. Es ist unsere Stellung in Christus, wir haben diese Dinge, weil Christus gestorben ist und durch sein Werk auf Golgatha uns diese Dinge verschafft hat. Aber wie werden diese Dinge zu unserer alltäglichen Realität? Indem wir beginnen, sie für wahr zu halten – indem wir beginnen, unsere Stellung im Glauben anzunehmen. Dabei spielt es keine Rolle, was wir fühlen. Wir entscheiden uns einfach, ob das, was da in Epheser über uns gesagt wird, die Wahrheit ist oder nicht. Entscheiden wir uns, diese Wahrheit anzunehmen – entgegen aller Wahrnehmung – so wird der heilige Geist diese Wahrheit in unserer Realität, in unser subjektiven Erfahrung, wahrmachen.
Es ist keine Schizophrenie, wenn ich diese Dinge entgegen meiner Erfahrung im Glauben annehme. Ich nehme nicht an, dass ich sie irgendwann mal bekomme, ich fange an, zu glauben, dass ich diese Dinge bereits habe – seit meiner Wiedergeburt. Mein neuer Mensch, Christus in mir, hat diese Dinge alle bekommen. Mein alter Mensch ist gestorben. Der alte Mensch bekommt gar nix
mehr, nur den Sarg. Ich beginne zu glauben, dass mein neuer Mensch diese Dinge bereits hat und der Heilige Geist wird diese Tatsache zur Wirklichkeit werden lassen. Ich darf meinen Glauben nicht in die Zukunft versetzen, das ist kein echter Glaube. Ich darf nicht glauben, dass ich diese Dinge später bekomme, ich muss glauben, dass ich sie seit meiner Wiedergeburt bereits besitze.
Das Leben im Geist
Die Bezeichnungen In Christus, In Ihm, In Jesus (bleiben), Im Geist (Wandeln/Leben) bezeichnen ein und dasselbe: Das Leben im Geist. Das Leben im Geist ist das, was Jesus in Johannes 15 schildert: das Bleiben in Ihm, was Paulus in Römer 8 erläutert, und was Paulus in Galater 5 mit im Geist wandelt bezeichnet. Überall im NT stehen die Worte In Christus (Jesus). Immer wenn Paulus von irgendwelchen Segnungen spricht, so fügt er ein In Christus an. Das heisst, diese Segnungen haben wir, seit wir der Stellung nach In Christus sind – also seit unser Wiedergeburt. Wenn wir aber beginnen, im Geist zu leben, also der persönlichen Erfahrung (unserem realen Zustand) nach In Christus zu sein, dann werden wir diese Dinge im wahrsten Sinne des Wortes erleben und erfahren.
Ein normaler Mensch urteilt nach folgenden Kategorien: Falsch – Richtig. Jede Entscheidung wird nach diesen zwei Kategorien eingeteilt. Egal, ob es ein Christ ist oder nicht, egal welche Vorstellungen jemand von Falsch oder richtig hat. Warum ist der Mensch so programmiert? Das kommt durch den Sündenfall. Es ist die Auswirkung der Frucht vom Baum der Erkenntnis. Je
nachdem wie das Gewissen eines einzelnen Menschen geprägt ist, urteilt er nach diesen Kategorien, die von seinem Gewissen bestimmt sind. Der wiedergeborene Mensch jedoch kann nicht nach diesen Maßstäben leben. Es wird nirgends in der Bibel gesagt, dass der wiedergeborene Mensch sich nach seinem Gewissen richten soll. Er soll sich stattdessen vom Geist Gottes leiten lassen. Warum? Weil das, was wir für gut halten, in Gottes Augen oft nicht gut ist. Oder wir machen es wie König Saul, der von Gott einen Befehl erhalten hat, diesem Befehl aber ungehorsam war und dann seinen Ungehorsam durch Opfer wettzumachen versuchte. Opfer sind gut – sie waren sogar von Gott verordnet – aber wir sehen, dass sogar das Gute manchmal nicht gut ist, nämlich dann, wenn es nicht Gottes Wille für die augenblickliche Situation ist. Wenn wir im Geist leben, dann werden wir vom Heiligen Geist geleitet und wir handeln nicht danach, was aus unserer Sicht Richtig oder Falsch ist, sondern wir handeln danach, was der Geist uns als Wille Gottes offenbart. Abraham musste seinen Sohn opfern – das war an sich keine gute Tat, auch keine Entscheidung, die das normale Gewissen als "richtig" einstuft. Aber es war Gottes Wille. Wenn wir im Geist leben, so werden wir über alle Erkenntnis von Gut und Böse erhoben. Oder wenn jemand uns Unrecht oder Schaden zufügt – wenn uns jemand beleidigt. Wenn wir nach den Kategorien "Richtig – Falsch" handeln, dann versuchen wir, dieses Unrecht gutzumachen, wir werden ihn vielleicht verklagen, eine Anzeige gegen ihn erstatten, oder wenn er unserem Ruf schadet, dann werden wir mit aller Macht versuchen, uns zu verteidigen und die Gerüchte gegen uns gerade zu stellen. Wir verteidigen uns selbst, und es ist unser normales menschliches Recht. Doch wenn wir im Geist leben, und vom Geist geleitet werden, dann wird der Geist uns daran erinnern, wie Jesus gehandelt hat, als er verklagt, verleumdet und verurteilt wurde: Er hat sich nicht verteidigt und die Schande ertragen. Wir werden an die Bergpredigt erinnert: Liebet eure Feinde, haltet die andere Wange hin. Segnet, die euch fluchen. Wir sehen, dass Gottes Maßstäbe für ein geistliches Leben viel höher sind, als wir es uns vorstellen und niemals aus eigenem Urteil und eigener Kraft zu erfüllen sind. Mit unserem eigenen Urteil sind wir vorherbestimmt, uns falsch zu entscheiden, es ist die Auswirkung des Baumes der Erkenntnis. Deswegen müssen wir im Geist leben, nicht auf unser Urteil vertrauen und uns vom Geist Gottes leiten lassen. Wenn wir uns gegen andere Menschen verteidigen, oder wenn wir versuchen andere Menschen, die uns Schaden zugefügt haben, schlecht zu machen, oder
wenn wir unseren Gerechtigkeitssinn verletzt sehen, dann ist dies ein sicheres Zeichen, dass wir nicht vom Geist geleitet werden und nicht im Geist leben. Dies sind nur einige Beispiele, wie das Leben im Geist praktisch aussehen kann.
Versiegelung und Unterpfand
Der Heilige Geist als Siegel hat zwei Bedeutungen:
- Alles, was mit diesem Siegel versiegelt ist, gehört dem Eigentümer des Siegels. Wenn ich auf meine Eigentümer meinen Stempel drücke, so besagt diese Versiegelung, dass dieses Ding mir gehört. 2. Tim 2:19 ...und hat dieses SIEGEL: Der Herr kennt die SEINEN. Weil wir mit dem Heiligen Geist versiegelt sind, kennt Gott uns. Wir gehören ihm, wir sind sein Eigentum, denn der Heilige Geist, den wir besitzen, seitdem wir an Christus glauben, ist sein Siegel, das er uns gegeben hat.
- Da der Heilige Geist das Siegel ist, und da wir eine neue Natur, ein neues Wesen sind (nämlich Christus in uns durch den Heiligen Geist) bedeutet die Versiegelung mit dem Geist Gottes auch Ähnlichkeit mit Gott. Es ist nicht nur so, dass wir uns zu Gott bekennen, und zu Gott gehören, nein, Gott bekennt sich auch zu uns und gehört uns. Das Siegel des Geistes weist auf eine Einheit mit Gott hin. Christus in uns – das zeigt, dass Gott in uns ist, während wir aber auch gleichzeitig in Christus sind. Wenn Christus in uns ist, und wir in Christus, so ist das nur möglich, wenn wir mit Christus identisch sind. Wir sind für Christus da und er ist für uns da. Durch diese Versiegelung werden wir in eine hohe Verantwortung gebracht – wir sollen Christus entsprechen, ihm in unserem Leben gleich sein. Der Stellung nach sind wir ja seit der Wiedergeburt ihm gleich, er bezeichnet uns als seine Brüder. Wenn wir diese Stellung im Glauben annehmen, wird auch unser Zustand – unser alltägliches Christenleben – Ihm gleich sein.
Neben der Bedeutung des Siegels, dass wir Gott gehören und ihm in unserem Leben ähnlich werden sollen, hat der Geist als Unterpfand noch eine dritte Bedeutung: Die Bedeutung des Unterpfands. Ein Unterpfand ist eine Anzahlung, eine Garantie, dass die Übrigen Forderungen auch noch beglichen werden. Wenn ich ein Auto für 10000,- kaufen will, so mache ich vielleicht erst eine Anzahlung von von 2000 euro. Das heisst für den Verkäufer, dass ich das restliche Geld später auch noch bezahlen werde. Genauso ist es bei Gott, er hat uns den Geist als eine Art Anzahlung gegeben, damit wir wirklich sicher sein können, dass er die restlichen Verheissungen (ewiges Leben, Gaben, Gebetserhörungen, verschiedene Heilungen, geistliche Frucht, usw) auch noch
an uns erfüllen wird. Dass wir den Heiligen Geist haben, ist unsere Gewissheit dafür, dass Gott alle seine Verheissungen erfüllen wird.
Der Geist der Weisheit und Offenbarung
Lies Offb 3:1, 4:5, 5:6 und Jes 11:2
In Offb erfahren wir von den sieben Geistern Gottes, und in Jesaja 11: 2 lesen wir, dass auf Jesus folgende Geister ruhen:
- Geist Jahwes
- Geist der Weisheit
- Geist des Verstandes
- Geist des Rates
- Geist der Kraft
- Geist der Erkenntnis
- Geist der Furcht Jahwes
Dies sind auch wiederum sieben Geister. Die Zahl Sieben symbolisiert in der Bibel Vollständigkeit (z. B. Sieben Tage). Auf Jesus ruhte der ganze Geist Gottes, der vollständige Geist mit allen seinen Kräften und Fähigkeiten (Joh 3:34). Die sieben Geister Gottes sind der Heilige Geist – mit all seinen Eigenschaften und Besonderheiten. Er wird deshalb als siebenfach aufgeführt, damit wir uns über sein Wesen und sein Wirken im klaren sind. Dadurch erfahren wir z. B. auch, dass er ein Geist des Verstandes ist. Dies ist die einzige Stelle in der Bibel, die dieses aussagt. Gott gibt den Geist auch uns nicht nach Maß – der Stellung nach haben wir seit der Wiedergeburt alles, was man vom Geist Gottes bekommen kann. Darin sind alle Christen vor Gott gleich, egal, ob man z.B. viele Geistesgaben hat oder keine. Die Wirkungen des Geistes und seine Manifestationen dagegen sind im LEBEN eines jeden Christen unterschiedlich. Wenn wir unserer Stellung glauben, dann wird sich in unserem Leben immer mehr davon verwirklichen. Deswegen betet Paulus, dass sie den Geist der Weisheit und Offenbarung empfangen, obwohl er schon vorher gesagt hat, dass sie den heiligen Geist schon seit ihrer Wiedergeburt haben (Eph 1,13). Paulus möchte, dass sich diese Wirkungen des Geistes, nämlich Weisheit und Offenbarung, in der realen Erfahrung, in ihrem Alltagsleben (Ihrem Zustand) manifestieren. Paulus sagt damit nicht, dass sie zwar den Heiligen Geist haben, ihnen aber noch ein paar andere Geister fehlen. Sie haben den Heiligen Geist OHNE Maß, genauso wie Jesus und jeder andere Gläubige. Doch das reicht nicht aus – Gott gibt zwar, aber der Mensch muss auch annehmen. Paulus wollte, dass der Geist in ihrem Zustand des täglichen Christenlebens sichtbar wird.